
Ein Fluss kehrt zurück
Die Emscher
Die Industrialisierung hatte insbesondere für die Emscher weit reichende Folgen: Die durch den Bergbau verursachten Bergsenkungen ließen das Land um mehrere Meter absacken, Flüsse und Bäche gerieten aus ihrer natürlichen Bahn. Zudem waren die hygienischen Zustände an der Emscher katastrophal: Fast alle Abwässer der Industrie und Städte flossen ungeklärt in die Emscher, die sich dadurch in ein übel riechendes und giftiges Rinnsal voll von Fäkalien, Schwermetallen und Chemikalien verwandelt hatte.
Das Wasser bzw. die Kloake sammelte sich in Senkungsmulden, und von dort wurde es durch die regelmäßigen Hochwasser in die Siedlungen gespült. Die Folge waren Seuchen wie Typhus und Cholera. Verbesserungen durch erste Flussregulierungen und Kanalisationsbauten wurden von immer neuen Bergsenkungen sofort wieder zunichte gemacht.
Weil die Probleme drängten, erarbeiteten die Flussmanager der 1899 gegründeten Emschergenossenschaft einen kühnen Plan: Der Fluss sollte um drei Meter tiefer gelegt, begradigt und in v-förmige Betonrinnen eingefasst werden, die den Abfluss des Wassers begünstigen. Der Flusslauf der Emscher verkürzte sich dabei von ursprünglich 109 auf 81 Kilometer. Das Schmutzwasser floss zwar weiterhin oberirdisch, nun aber kontrolliert zu 21 neuen Kläranlagen. Im Winter 1908/09 erlebte das Emscherland seine letzte große Überschwemmung.
Die begradigte Emscher wurde in der Folge zu einem Synonym für die Unterwerfung der Landschaft durch den Menschen. Tatsächlich aber war die Kanalisierung der Emscher eine viel zu selten gewürdigte technische Meisterleistung, welche die weitere industrielle und wirtschaftliche Entwicklung der Region erst ermöglicht hat.
Seit sich der Bergbau nun schrittweise zurückzieht, sind auch die Bergsenkungen abgeklungen – eine wesentliche Voraussetzung für den ökologischen Umbau der Emscher, der bereits begonnen hat.




