
Emscherland
Eine Region verändert ihr Gesicht
Bevor die Industrialisierung das Land erfasste, schlängelte sich die Emscher durch eine Auenlandschaft, die an einigen Stellen bis zu acht Kilometer breit war. Der Fluss hatte nur wenig Gefälle, so dass mit dem Frühjahrshochwasser weite Flächen des flachen Emschertals regelmäßig überschwemmt wurden. Auenwälder, Feuchtwiesen und Sümpfe bestimmten das Landschaftsbild. Wildpferde grasten an den Ufern.
Seit es Mitte des 19. Jahrhunderts technisch möglich geworden war, mit Tiefbauzechen die begehrten Fettkohlenflöze zu erschließen, brach die Industrialisierung mit Wucht über das Land herein und krempelte das verschlafene Emscherland innerhalb kürzester Zeit um. Die Eisenbahn beschleunigte die Entwicklung von „Preußens Wildem Westen“ noch zusätzlich: Die erste Eisenbahnlinie führte nicht etwa durch die alten Hellwegstädte weiter südlich, sondern durch die noch dünn besiedelte Emscherregion. Sie entfaltete eine enorme Magnetwirkung auf die Industrie, die auf ein leistungsstarkes Transportmittel in der nur spärlich erschlossenen Region angewiesen war.
„Boomtowns“ wie Oberhausen, Gelsenkirchen oder Altenessen wuchsen aus dem Nichts und entwickelten sich innerhalb weniger Jahrzehnte zu Großstädten. Hunderttausende kamen als Einwanderer vor allem aus den damaligen Ostprovinzen auf der Suche nach Arbeit an die Emscher und bauten sich in einer unwirtlichen Gegend zwischen Schloten und Fördertürmen ein neues Leben auf.
Diese Entwicklung verlief in der Regel ohne eine übergreifende Stadtplanung, so dass sich bis heute die Landschaft entlang der Emscher als ein Flickenteppich von eng miteinander verzahnten Industrie- und Verkehrsflächen, Brachen, Siedlungen, städtischen Bereichen und einigen vorindustriellen „Überbleibseln“ präsentiert.




