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Heimspiel Emscher

Der Fußball ist an der Emscher zu Hause

Mehr noch als in anderen Regionen Deutschlands schweißt der Fußball die Menschen entlang der Emscher zusammen und stiftet Identität. Hier, im Emscherland, wurden legendäre Kapitel der deutschen Fußballgeschichte geschrieben: Von den Großen, dem FC Schalke 04 und Borussia Dortmund, vom VfL Bochum, dem MSV Duisburg, von den Rot-Weißen in Essen und Oberhausen, aber auch von den legendären Nachkriegsvereinen wie dem STV Horst-Emscher, dem SV Sodingen oder der Spielvereinigung Erkenschwick. 

In den Industriestädten an der Emscher, dort, wo die „Elf“ einen ganzen Stadtteil verkörperte, entstanden einzigartige Milieus. Die „Maloche“ unter und über Tage und der Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg ließen ein gemeinsames Miteinander von Zuschauern und Spielern entstehen. Der Zusammenhalt war legendär. Immer ging es auch um die Identität dieser Region, die sich im ganzen Land als hässliches Industriegebiet abgestempelt sah.
 Der Fußball bot die Möglichkeit, es allen anderen einmal „zu zeigen“. 

Wie in vielen anderen Städten auch wurde das Fußballspiel durch das Bürgertum eingeführt: In den Schulklassen der Gymnasien und den Spielabteilungen bürgerlicher Turnvereine fanden sich die ersten Kicker des Reviers. Große Verbreitung in der Arbeiterschaft und den Durchbruch zum Massensport erfuhr der Fußballsport aber erst nach dem Ersten Weltkrieg. Eine wichtige Voraussetzung dafür war die Einführung der 8-Stunden-Schicht und bis dahin nie gekannte Freizeitmöglichkeiten, die insbesondere für sportliche Aktivitäten genutzt wurden. 

Fußball erfordert keine aufwändige Ausrüstung, und so fegten die Kinder und Jugendlichen in den Arbeitersiedlungen entlang der Emscher einem Ball hinterher, der manchmal nur aus zusammengebundenen Stofffetzen bestand. 
Der Straßenfußball brachte große Talente hervor, und schon bald drängten die Clubs aus den Arbeitervierteln die traditionellen, bürgerlich geprägten Vereine ins Abseits. 1926 gewann mit dem BV Altenessen nach einem spektakulären Sieg über den „Lackschuhclub“ Schwarz-Weiß Essen erstmals ein Arbeiterverein die Ruhrbezirksmeisterschaft. Als Ausnahmephänomen dieser Zeit gilt der FC Schalke 04, der sich an die Spitze des deutschen Fußballs spielte und nicht nur einen Stadtteil, sondern eine ganze Region mobilisierte. 

Im Emscherland wurden die Fußballer nicht selten von den Zechen oder der Industrie unterstützt, was sich verstärkt in der Nachkriegszeit bemerkbar machte, als Reviervereine die Oberliga West dominierten. Die Spieler waren aufgrund der zusätzlichen Lebensmittelrationen, die den Arbeitern zukamen, in der Regel besser ernährt, und Kohle war ein begehrtes Tauschmaterial. In dieser kurzen, aber glorreichen Phase, die dem Revier zahlreiche hochbrisante Derbys bescherte, fanden sich Vereine wie die Sportfreunde Katernberg oder der STV Horst-Emscher auf den oberen Plätzen der höchsten Spielklasse wieder. 

Nur wenige dieser ehemals großen Reviervereine haben den Sprung in die 1963 gegründete Bundesliga geschafft oder konnten sich dauerhaft in ihr halten. Mit dem Zechensterben fielen die Werke als Förderer und Partner weg, so dass die meisten Vereine auf der Strecke blieben und im Niemandsland der mittleren und unteren Spielkassen verschwanden.
„Groundhopper“ entdecken heute die legendären Namen wieder und ziehen – abseits vom Spektakel der Bundesliga – zu den vergessenen Stätten dieser großen Fußballära.